Chronik

Jugend- und Trachtengruppe der Banater Schwaben,
Kreisverband Esslingen (1988-2005)

(Beitrag aus der Festschrift zum 20-jährigen Jubiläum 2005)

„Wo Trachten sind, da ist Musik und Tanz nicht fern“

Das runde Jubiläum unseres Kreisverbandes ist sicherlich auch für uns ein Grund zur Freude und zum Feiern. Die Kultur- und Brauchtumspflege ist ein wesentlicher Bestandteil  unserer Verbandsarbeit und so war es unserem Vorstand von Anfang an wichtig sich einzubringen und uns zu unterstützen.

          „Liewi Leit, ich will eich saan,
         wie mir vor 18 Johr angfang han.
         Im Bürgerhaus in Ruit dort owe
         Han sich unser junge Schwowe mol getroff
         Un han beschloß an jenem Ort

         Unser Tradition – die fiehr mer fort.“

Erster Auftritt der Kinder- und Jugendtrach­tengruppe der Banater Schwaben Kreisver­band Esslingen beim Kathreinerball im Herbst 1988 in der Eintrachthalle in Köngen.

Nachdem wir am 27. August 1988 in Ost­fildern / Ruit beschlossen hatten eine Trachtentanzgruppe zu gründen, standen wir bereits vor dem ersten  Problem – die meisten hatten keine eigene schwowische Festtagstracht. Obwohl die finanziellen Mittel begrenzt waren, konnten mit hohem Eigeneinsatz einzelner Vorstandsmitglie­dern und Eltern mehrere Trachten durch den Kreisverband angefertigt werden. Man fand eine Guttenbrunnerin welche die Tücher nähte. „Fast umsonst“ hat sie sie gemacht, weil sie so froh war, dass es noch junge Leute gibt, welche sich eine Tracht anfertigen lassen wollten. Wir suchten Kontakte zu anderen Banater Gruppen und ließen uns Tipps geben.

Frühlingsball 22.04.1989 – Erster Auftritt in den Trachten des Kreisverbandes Esslingen in der Möriketurnhalle in Kirchheim-Ötlingen.

Im Herbst 1988, in der Eintrachtshalle in Köngen, hatten wir in geliehenen Trachten unseren ersten Auftritt, einen Bändertanz mit 7 Paaren. Aber bereits zum Frühlings­ball 1989 führten wir mit 10 Paaren zwei Volkstänze in den neuen Festagstrachten vor.

1997 Festzug beim Vinzenzifest in Wendlingen

Wir hatten uns ein breites Betätigungsfeld vorgenommen. Dazu gehörten Volkstanz, Mundarttheater, Betreuung jugendlicher Aussiedler, Sportveranstaltungen und gemein­same Freizeitgestaltung mit Skilager, Ausflügen und Unterhaltung. Bis heute bemühen wir uns, entsprechend dem Alter und den Interessen unserer Mitglieder und Freunden, um ein ausgeglichenes Angebot. Es ist in der heutigen schnelllebigen Zeit auch für uns nicht einfach uns zu behaupten. Desto trotz sind wir glücklich und stolz das wir unsere Traditionen und Bräuche pflegen können. Über 120 Mitglieder gingen durch die Gruppe, schnupperten mal rein, blieben einige Jahre dabei, gingen oder kamen wieder zurück.

         „In Holland, Frankreich, Ungarland
         Sin mir inzwische schun bekannt
         Un des net nor in Sunntachstracht
         An Werktachsgwand war aach gedacht.“

Von Anfang an nahmen wir an Umzügen teil. Wir führten unsere Volkstänze beim Landes­trachtenfest in Göppingen, beim Heimattag in Ulm und bei Heimatortsgemeinde – Treffen unserer Landsmannschaft vor.

Bereits im Sommer 1990 packten wir unsere Koffer und machten uns auf nach Lekkerkerk in Holland, um eine Spendenaktion für Moritzfeld zu unterstützen. Zwei Wochen später fuhren wir zum Musikfestival nach Montluel / Frankreich.

Von den Tiefen der Jugendarbeit blieben auch wir nicht verschont. 1992, man war gerade vom Ungarnaufenthalt zurück, schieden vier Paare aus, und es musste wieder von vorne angefangen werden. Zum Kathreinerball 1992 fanden sich nur vier Paare auf der Bühne ein. Daraufhin wurde eine mittlere Gruppe von 14- bis 17-Jährigen sowie erneut eine Kindergruppe gegründet und wir machten aus der Not eine Tugend und unsere Tanzleite­rin studierte eine Kochlöffelpolka für Erwachsene- und Kinderpaare ein und brachte damit beide Gruppen gleichzeitig auf die Bühne.

         „Amerika, des is zwar weit
         Doch ich kann saan – des war a Freid
         Wie mir dort driwe an sin kumm
         Un unser Brauchtum mitgebrung.

         E scheen´s Gedicht, a luschtichi Zeil
         Is immer gut gege Langweil.
         Am Erie-See, Detroit und Windsor
         Do stellte mir uns doch aach vor.

         Die Tänz, Theater – alles das
         Hat deni Leit gemacht viel Spaß!“

1997 Heimattag in Temeswar

1997 Heimattag in Temeswar

Der fünftägige Gegenbesuch der Jugend­gruppe aus Geresdlak / Ungarn 1993, aber auch der Tanzgruppe Herceg aus Budakeszi / Ungarn 1999 waren für uns und unseren Verein unvergessene Be­gegnungen. Es folgten 1995 und 1997 Fahrten zu den Heimattagen nach Te­meswar, 1997 Tournee in den USA und Kanada und 1998 anlässlich unseres 10-jährigen Jubiläums freuten wir uns über den Gegenbesuch der Jugendgruppe aus Cincinnati / USA.

         „Unser Arweit, unser Plooch
         Alles, alles lohnt sich doch.
         In Wettbewerbe stets gewunn
         9 Pokale han mer schun.“

Hier Zuhause waren und sind wir nicht weniger aktiv. Bis zu 20 Auftritte im Jahr bei Fest- und Trachtenumzügen, Volkstums- und Trachtenfesten mit Brauchtumsdarbietungen in vielen Orten der Bundesrepublik. Einladungen zu Veranstaltungen der Stadt Wendlingen und Ihrer Vereine sind selbstverständlich. Die Teilnahme beim jährlichen Vinzenzi- und Maibaumfest der Egerländer Gmoi – Wendlingen ist Patenstadt der Egerländer Gmoi – ist für uns inzwischen Tradition. Die über die Jahre hinweg gewachsene Zusammenarbeit mit anderen Landsmannschaften, Heimat- und Trachtenverbänden zeigt die gute Integration unserer Gruppe.

Die meisten Trachtengruppen unserer Landmannschaft sind in Kreisstädten zu Hause, bei uns ist es anders. Sicherlich ist auch unser Proberaum in der Gartenschule der Grund, das unser Sitz in Wendlingen am Neckar, Landkreis Esslingen gewählt wurde. In Wend­lingen und in den anderen Städten und Gemeinden unseres Landkreises leben viele Landsleute. So konnten wir über die Jahre hinweg immer wieder Mitglieder für unsere Sache gewinnen. Mit der Zeit zogen Einige weg; die Lebensumstände veränderten sich oder auch die Interessen, so dass wir Ende 1999 wieder nur noch Wenige waren.

Aber wenn eine Tür zu geht, geht bekanntlich wieder eine andere auf. Das Werbeplakate bei Trachtengruppen für Zulauf sorgen können, bewies eine Aktion im Frühjahr 2000 an den Wendlinger Kindergärten und Schulen. Siebzehn tanzfreudige Mädchen und fünf Jungs im Alter von 4 – 8 Jahren kamen zum ersten Treffen und sind auch geblieben.

Es gehören viel Mut und Idealismus, verlässliche Partner im Verein und in der Familie, um weiterzumachen. Der Verein hatte bis dahin nicht so viele Kindertrachten und schon gar nicht so viele Mädchentrachten. Anfangs liehen wir uns die Trachten beim Kreisverband Göppingen unserer Landsmannschaft. Eine Neubanaterin aus Göppingen erklärte sich bereit für uns zu nähen. Mit Fördermittel des Landes Baden-Württemberg und unseres Kreisverbandes wurden zuerst Werktagstrachten und später Festtagstrachten genäht.

Die Begeisterung der Kinder und Ihre Freude am Tanzen, aber auch an der Brauchtumspflege, ist sicherlich das was uns Kraft gibt weiterzumachen. Die wenigsten Kinder haben banater Wurzeln, aber wir stellen immer wieder fest das es fast in jeder Familie jemanden gibt der entweder als Flüchtling nach dem Krieg oder als Spätaus­siedler nach Wendlingen gekommen ist. Es sind diese Gemeinsamkeiten die unsere junge Gruppe zusammenwachsen lässt.

         „Wir sind die Kinder der Banater Brauch­tumsgruppe
         Und sind eine ziemlich starke Truppe
         Bei uns wird getanzt, gespielt, gelacht
         Was man in solch einer Gruppe macht.

         Gedichte, Reime lernen wir im Nu
         Hören sie uns dabei gut zu.
         Nun wollen wir unser kulturelles Programm zeigen
         Und beginnen mit einem getanzten Reigen.“

2003 – Tanzauftritt zur Eröffnung des Wendlinger Vinzenzifestes

         „Ja, liewe Schwowe, Ihr derft net lache
         Mir mache noch viel an´re Sache.
         For jedes Fescht wie sich´s verlangt
         Han mir es passendi zur Hand.

         Mit Temp´rament un heißem Blut
         Un mexikanisch aach de Hut
         Im Tangoschritt mit Eleganz
         A jeder von uns kanns.“

1996 Faschingsball in Kirchheim

Für die Veranstaltungen unseres Kreisverbandes lassen wir uns immer etwas besonderes einfallen.

Unsere Mitglieder haben nie Kosten und Mühe gescheut die Auftritte mit originellen Kostü­men und Kulissen zu vervollständigen, zum Beispiel: 1993 und1999 – Tango Formations­tanz, 1996 – Eine mexikanische Nacht, 1995 – Can-Can Tanz, 2004 – Bei den Piraten in der Südsee, 2003 – Bei den Ritter und Burgfräuleins, 2001 – Tanzen beim Hexenge­burtstag auf dem Bloxberg, 2003 u. 2005 – Zirkus Piccolino, 1995 u. 2005 – Jazztanz, 1997 – Parodie von „Schneewitchen und die sieben Zwerge“, 1998 – Die Narrenhochzeit „Hansl und Gretel“, 2000 – lustige Erzählung „Der Beglersbeg von Temeswar“, 1999 – Sketch „Die Aldi“, 2000 – Sketch „Der rote Bikini“, 2001 u. 2003 – „Tratsch unter Nach­barn“ sowie 2001 – Männerbalett.

Zum Kathreinerball im November zeigen wir jedes Jahr unsere neuen Volkstänze.

Für die Weihnachtsfeiern, am ersten Sonntag im Dezember, fangen bei uns die Vorbe­reitungen bereits im September an. Aufführungen: 1993 u. 2002 – Krippenspiele, 1999 – Christkindelspiel, Szenische Darstellungen: 1994 – „D`r Teifel in d`r Metternacht und 1995 – Verlobung unter`m Weihnachtsbaum, Weihnachtspiele: 1996 – „Der Engel Gabriel und die Tiere des Waldes“, 1997 – Weihnachtsbräuche aus der ganzen Welt, 2000 – „Wir bringen ein Licht zu Euch“, 2003 – „Dummy, der alte Esel“, 2004 – „Die Wüstenräuber“.

Nicht zu vergessen sind:

Theaterstücke:
      1986 – “A verwickelti Sach“,
      1991 – „Mer macht sich halt Sorche“,
      1998 -1999 „Kusch – Mucki“ und „Die Grammelbogatschen“ (5 Aufführungen).

Szenische Darstellung zum Thema Russlanddeportation:
     1995 – „Verzeihen aber nicht vergessen“ (5 Aufführungen).

1995 - Szenische Darstellung zum Thema Russlanddeportation

1995 - Szenische Darstellung zum Thema Russlanddeportation

Die Geschichte der Jugend- und Trachtengruppe der Banater Schwaben  des Kreisver­bandes Esslingen ist reich an Ereignissen. Akribische Fotodokumentation und Berichte über Auftritte, Videofilme, Schautafeln und seit 2000 eigene Homepage im Internet bieten einen guten Überblick über die Arbeit der jungen Banater Generation im Laufe der Jahre.

Wir wollen das Banater Kulturerbe bewahren und so gestalten dass auch unsere Kinder und unsere Mitmenschen im Alltag daran Interesse finden.
Herzlichen Dank an alle die uns in diesen Jahren unterstützt haben und zum Gelingen der unzähligen Aktivitäten beigetragen haben.

Renate Krispin
Gruppenleiterin der Trachtengruppe
Kulturreferentin Kreisverband Esslingen

1998 - 10 Jahre Trachtengruppe der Banater Schwaben Kreisverband Esslingen; Gruppenbild zusammen mit der Donauschwäbischen Trachtengruppe aus Cincinnati